„Mama, mir ist so schlecht. Ich kann heute nicht in die Schule.“
Einmal gesagt, ist das kein Grund zur Sorge. Aber wenn dieser Satz immer öfter fällt, besonders sonntagabends oder montagmorgens, dann spürst du als Mutter oder Vater: Da ist mehr. Vielleicht merkst du es auch gerade jetzt, wo nach den Herbstferien der Schulalltag wieder beginnt.
Ich möchte dir mit diesem Beitrag ein wenig Orientierung geben. Und dir sagen: Du bist mit dieser Sorge nicht allein, und dein Kind auch nicht.
Schulangst ist mehr als keine Lust
Jedes Kind hat mal keine Lust auf Schule. Das ist ganz normal. Bei Schulangst ist es anders: Dein Kind möchte eigentlich gern hingehen, aber irgendetwas macht ihm so viel Angst, dass es nicht mehr geht.
Dahinter kann ganz Unterschiedliches stecken. Leistungsdruck und Angst vor Prüfungen. Konflikte mit anderen Kindern, Ausgrenzung oder Mobbing. Schwierigkeiten mit einer Lehrkraft. Manchmal ist es auch gar nicht die Schule selbst, sondern die Angst, sich von dir zu trennen. Etwa wenn sich zu Hause gerade viel verändert oder jemand krank ist.
Woran du Schulangst erkennen kannst
Kinder können ihre Angst oft nicht in Worte fassen. Sie zeigen sie auf andere Weise. Achte zum Beispiel darauf, ob dein Kind
- morgens über Bauchweh, Kopfschmerzen oder Übelkeit klagt, die am Wochenende und in den Ferien verschwinden,
- vor der Schule weint, sich an dich klammert oder wütend wird,
- schlecht einschläft oder nachts aufwacht, besonders vor Schultagen,
- sich zurückzieht und kaum noch von der Schule erzählt,
- in den Noten plötzlich nachlässt,
- immer öfter fehlt oder früher abgeholt werden möchte.
Körperliche Beschwerden solltest du bitte immer auch kinderärztlich abklären lassen. So bist du auf der sicheren Seite.
Was du als Mutter oder Vater tun kannst
Nimm die Angst ernst. Auch wenn der Grund für dich klein wirkt, für dein Kind ist er riesig. Sätze wie „Stell dich nicht so an“ helfen leider nicht. Viel mehr hilft: „Ich sehe, dass es dir gerade schwerfällt. Ich bin da.“
Hör zu, ohne gleich Lösungen zu suchen. Manchmal erzählen Kinder erst dann, was los ist, wenn sie merken, dass sie nicht bewertet werden. Gute Momente dafür sind oft beim Abendbrot, im Auto oder beim Zubettgehen.
Hol die Schule mit ins Boot. Sprich mit der Klassenlehrkraft oder der Schulsozialarbeit. Oft sehen sie Dinge, die zu Hause verborgen bleiben. Und gemeinsam lassen sich viel leichter Lösungen finden.
Bleib in kleinen Schritten dran. Es ist so verständlich, dass du dein Kind schützen möchtest. Wenn es aber über längere Zeit zu Hause bleibt, wird die Angst oft größer statt kleiner. Kleine, machbare Schritte zurück in den Schulalltag sind meist hilfreicher. Vielleicht erst einmal nur die ersten zwei Stunden.
Achte auch auf dich. Morgen für Morgen dieselben Kämpfe kosten unglaublich viel Kraft. Du darfst dir dafür selbst Unterstützung holen.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn die Angst über mehrere Wochen anhält, dein Kind immer öfter fehlt oder spürbar leidet, ist es gut, sich Hilfe von außen zu holen. Auch dann, wenn ihr als Familie merkt, dass ihr gerade an eure Grenzen kommt. Je früher, desto leichter findet dein Kind meist wieder zurück.
Wie ich Kinder und Jugendliche begleite
In meiner Praxis in Hemmingen begleite ich Kinder und Jugendliche einfühlsam und in ihrem Tempo. Mit Kindern arbeite ich oft spielerisch, mit Bildern, Figuren oder kleinen Geschichten. So fällt es leichter, über das zu sprechen, was sie bewegt. Jugendliche begegne ich auf Augenhöhe, mit viel Respekt für ihre eigene Sicht. Euch als Eltern beziehe ich dabei mit ein. Denn ihr kennt euer Kind am besten, und ihr seid im Alltag an seiner Seite.
Häufige Fragen
Ist Schulangst dasselbe wie Schulverweigerung?
Nicht ganz. Bei Schulangst möchte ein Kind eigentlich gern in die Schule, schafft es aber vor Angst nicht. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich und sollten liebevoll herausgefunden werden.
Soll ich mein Kind zu Hause lassen, wenn es Angst hat?
An einzelnen Tagen kann das in Ordnung sein. Auf Dauer wird die Angst durch Vermeidung aber oft größer. Besser sind kleine Schritte zurück, gemeinsam mit der Schule.
Sind wir Eltern beim Erstgespräch dabei?
Ja, in der Regel lernen wir uns zuerst gemeinsam kennen. Wie es danach weitergeht, besprechen wir zusammen.